„Nicht zu greifen mit den Zangen unseres Verstands,
steh’n das Schicksal und der Zufall stets in einem Tanz.
Unergründlich ist eins mit dem anderen verwirrt.
Wir haben es nicht in der Hand, was heut geschehen wird.
Doch wenn in seinem Strom der Fluss der Dinge Gutes bringt,
sind jene gesegnet, denen es beherzt gelingt,
festzuhalten, wofür es sich wahrhaft lohnt zu leben,
diesen Schatz zu hüten und ihn nicht mehr herzugeben.“
Klappentext
Tiro hat seine Lehrjahre als Goldschmied bei seinem Lehrmeister Mistran abgeschlossen und muss seinen Weg jetzt als wandernder Geselle fortsetzen. Er darf auf seiner Walz den Bannkreis um seine Heimatstadt für zwei Jahre und einen Tag nicht betreten, damit er sein Handwerk in der weiten Welt ausüben und in seiner Kunst noch dazulernen kann. So will es der Brauch seiner Zunft. Der Abschied zerreißt ihn, hat er doch sein Herz Tala geschenkt, die er nun für die Zeit seiner Walz nicht wiedersehen kann. Er fügt sich seinem Los und lässt sich von seiner Neugier in das Land jenseits des Nordmeers ziehen. Aus seiner Heimatstadt verbannt und auf sich allein gestellt, versucht Tiro seinem Herzen zu folgen, auch wenn dieses in der Ferne an Tala hängt. Als das Schicksal sie an einem unerwarteten Ort wieder zusammenbringt, ist Tala wie ausgetauscht und das zarte Glück wird auf eine harte Probe gestellt. Im letzten Moment findet Tiro heraus, dass Tala ihre Liebe verleugnet hat, um sein Leben zu schützen. Der Alchimist des Fürsten hat nämlich ein Auge auf Tala geworfen und ist berüchtigt dafür, in seiner Turmkammer so manches heimtückisches Gift herzustellen. Als der aufdringliche Alchimist sich ungeachtet ihrer Ablehnung mit Tala verloben will, spitzt sich die Lage zu.


Über das Werk
„Die Walz“ ist eine Novelle, in der sich die Handlung um das einschneidende Ereignis der Verbannung des jungen Protagonisten aus seiner Heimatstadt dreht. Mit philosophischer Tiefe und sprachlicher Verspieltheit widmen sich die Figuren der Novelle in kunstvollen Monologen kleinen und großen Themen des Lebens. Die Erzählung ist so durchwoben mit einer anregenden Dichtung in Versen und Liedern, die sich in die Handlung einfügen oder die Handlung transportieren. Zielgruppe für das Werk ist eine Leserschaft mit einem Sinn für Weisheit, Witz, Romantik und die Möglichkeiten der deutschen Sprache.
„Die Walz“ spielt in einer mit der Renaissance vergleichbaren Zeit, in der die technischen Möglichkeiten bescheiden sind und das humanistische Menschenbild wieder auflebt, das Kontemplation und Tugend hochhält. Die Handlung findet zugleich in einer realistischen Welt – entsprechend dem damaligen Europa – statt, in der goldener Schmuck die Herzen friedlich berührt, das Gold die Menschen aber auch umtreibt und oft nicht das Beste in ihnen zum Vorschein bringt. So sind neben dem Gold und dem Schmieden nicht zuletzt auch Krieg und Frieden in „Die Walz“ wiederkehrende Leitmotive, die von verschiedenen Seiten betrachtet werden. So kommt zum Beispiel nicht nur die Frau eines verstorbenen Söldners, sondern auch ein Waffenschmied zu Wort.