„Ben sollte in diese Angelegenheit mit genau derselben halsbrecherischen Leichtfertigkeit hineinstolpern, die ihn schon so oft in Schwierigkeiten gebracht hatte. Das war ohne Bitterkeit gemeint, weil er dachte, dass ebendiese spielerische und unvorbereitete Herangehensweise ihn vielleicht sogar noch öfter auch aus Schwierigkeiten herausgeholt hatte.“
Klappentext
Ben Walter ist Psychologe, dreiundvierzig Jahre alt, frisch geschieden und hat noch einmal ganz von vorn begonnen. Auf Umwegen kommt er beruflich an einen ungewöhnlichen Auftrag. Das Kind einer Rechtsanwältin und eines Neurologen hat aufgehört, zu sprechen. Die üblichen heilpädagogischen, logopädischen, psychologischen und medizinischen Abklärungsschleifen sind an diesem Fall bereits gescheitert. Auf der Suche nach den Ursachen für die Verstummung des fünfjährigen Mädchens wird Ben von dem beruflich erfolgreichen Elternpaar mit einer Forschungsarbeit betraut. Der geheimnisvolle Forschungsgegenstand konfrontiert den Psychologen mit einer Wahrheit über sich selbst, die er bislang gründlich verdrängt hatte. Für Ben beginnt ein Ringkampf mit einem Schmerz, der lange Jahre darauf gewartet hat, ihn zu überwältigen – sobald er sein Herz wieder öffnet. Was von den Grundfesten seines früheren Weltbilds noch übrig ist, wird bald restlos aufgelöst. Der Fall, der mit den herkömmlichen wissenschaftlichen Methoden der Psychologie nicht zu durchschauen ist, lässt kaum eine andere Möglichkeit zu als das System, in dem wir leben, als schwerkrank zu verstehen.
Um das Kind verstehen zu können, muss Ben den Bereich seiner Seele wiederentdecken, der keine Sprache kennt. Bei dieser Gelegenheit gerät der Protagonist in einen Prozess der emotionalen Häutung, der über einen Selbstfindungstrip deutlich hinausgeht. Zielgruppe für das Werk ist eine Leserschaft mit einem Interesse für die Schattenseiten der aufgeklärten Leistungsgesellschaft, das Überwinden von Schmerz und – wie beim letzten Abenteuer von Ben Walter in „Zerfahrenheit“ auch – ohne Berührungsängste was die Abgründe der Menschheit betrifft.
Über das Werk
„Todmund“ ist eine Novelle, in der sich die Handlung um einen Wendepunkt im Leben des Protagonisten Ben Walter dreht, der schon sehr lange auf seinen Moment gewartet hat. Es spielt in der Neuzeit im Jahre 2026, in der ein rationales Weltbild das Denken dominiert. So erwarten die Menschen, dass sie mithilfe von Vernunft und dem naturwissenschaftlichen Werkzeug jedes Problem in den Griff kriegen können. Eltern hasten mit psychisch auffälligen Kindern hilflos von Arzt zu Arzt, weil sie den jungen Menschen nicht zuhören können. Denn mit seinen vernünftigen Sichtweisen scheitert zwangsläufig jeder bereits aufgeklärte Erwachsene daran, die Ängste der noch irrational fühlenden Kinder zu verstehen. Die Handlung findet zugleich in einer realistischen, entzauberten Welt statt – entsprechend dem heutigen deutschsprachigen Europa –, in der unsere Mitmenschen und die Psychiatrie uns für krank erklären, wenn wir der Magie und der übersinnlichen Dimension unseres Daseins nicht abschwören.